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„Ich weiß, dass ich mich abgrenzen sollte. Aber ich hänge emotional so drin. Ich kann nicht einfach abschalten.“

  • hauboldconsulting
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Sie ist Führungskraft. Engagiert. Verantwortungsbewusst. Loyal.Genau das macht sie wertvoll für ihr Team – und genau das wird ihr gerade zum Problem.


Abgrenzung – oft missverstanden

Viele verwechseln Abgrenzung mit Kälte oder Gleichgültigkeit.In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall: Wer sich nicht abgrenzt, gerät in einen Strudel aus Überverantwortung, Überidentifikation und Erschöpfung.

  • Wer alles mitnimmt, verliert den Überblick. Entscheidungen werden zäh, unsauber, getrieben von Emotion statt von Klarheit.

  • Wer permanent emotional reagiert, führt irgendwann aus Erschöpfung – nicht mehr aus innerer Souveränität.

Abgrenzung ist kein Rückzug.Abgrenzung ist professionelle Selbststeuerung – eine Kernkompetenz moderner Führung.


Was wir im Coaching herausgearbeitet haben

In der beschriebenen Coaching-Situation sind drei Punkte besonders deutlich geworden:

  1. Verantwortung endet nicht dort, wo Gefühle beginnen.Emotionen sind wichtige Signale – aber sie machen eine Situation nicht automatisch zu „deiner“ Verantwortung. Selbstführung heißt: Gefühle wahrnehmen, ohne sich von ihnen vollständig vereinnahmen zu lassen.

  2. Emotionale Beteiligung ersetzt keine strukturelle Lösung.Mitfühlen ist sinnvoll – Mitleiden erschöpft.Viele Führungskräfte versuchen, über ihre emotionale Präsenz zu kompensieren, was strukturell nicht geklärt ist (Rollen, Zuständigkeiten, Ressourcen).

  3. Führung heißt nicht, alles zu tragen.Führung heißt zu klären: Was ist wirklich mein Anteil? Was gehört ins Team? Was in andere Ebenen oder Funktionen?Diese Unterscheidung ist kein Egoismus, sondern die Basis, um handlungsfähig zu bleiben.


Warum gerade engagierte Menschen damit kämpfen

Spannend ist: Es sind selten die Zyniker, die mit Abgrenzung ringen.Es sind meistens diejenigen, die es wirklich gut machen wollen:

  • die ihr Team „nicht hängen lassen“ möchten

  • die Konflikte persönlich nehmen

  • die abends oder nachts noch Gespräche gedanklich durchgehen

Ihre Empathie ist eine Stärke – und genau deshalb brauchen sie Abgrenzung, um diese Stärke langfristig halten zu können.

Abgrenzung ist keine Charakterfrage.Sie ist eine Kompetenz, die man lernen und entwickeln kann.


Selbstführung statt Selbstverbrauch

Im Kern geht es um Selbstführung: die Fähigkeit, das eigene Denken, Fühlen und Handeln so zu steuern, dass ich innerlich klar bleibe – auch dann, wenn es außen komplex wird.

Die entscheidende Frage ist deshalb weniger:„Wie schaffe ich es, weniger zu fühlen?“

Sondern eher:„Wie führe ich, ohne mich selbst zu verlieren?“

Dazu gehört unter anderem:

  • eigene Grenzen überhaupt wahrzunehmen und ernst zu nehmen,

  • innere Antreiber („Ich muss immer verfügbar sein“, „Ich darf niemanden enttäuschen“) zu erkennen und zu justieren,

  • und bewusst zu entscheiden, wie viel Nähe, Verantwortung und emotionale Beteiligung in welcher Situation sinnvoll ist.

Führung beginnt nicht im Außen, nicht im Organigramm, nicht in Prozessen.Sie beginnt in der inneren Klarheit:Wer bin ich in dieser Rolle?Wofür trage ich Verantwortung – und wofür nicht?Wie will ich präsent sein, ohne mich aufzubrauchen?


Wie ich Führungskräfte dabei begleite

In meinem Leadership-Coaching arbeite ich mit Führungskräften genau an dieser Schnittstelle von Empathie, Verantwortung und Abgrenzung:

  • Wir schauen gemeinsam auf konkrete Situationen, in denen Grenzen verschwimmen – und entwickeln Alternativen, die sowohl dir als Führungskraft als auch deinem Team guttun.

  • Wir stärken deine Selbstführung: emotionale Selbstwahrnehmung, innere Klarheit und bewusste Steuerung deines Verhaltens im Spannungsfeld von Nähe und Distanz.

  • Wir entwickeln alltagstaugliche Routinen, damit du im Führungsalltag nicht nur funktionierst, sondern langfristig wirksam bleibst.

Denn am Ende entscheidet nicht die Frage, wie viel du aushältst.Sondern, ob du dich so führst, dass du auch morgen noch führen kannst.

Wenn du beim Lesen merkst: „Genau damit ringe ich gerade“, kann ein vertrauliches Coaching-Gespräch ein guter erster Schritt sein, um deinen Anteil zu sortieren – und Abgrenzung als Stärke zu entwickeln, nicht als Schwäche.

 
 
 

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