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Karriere neu denken: Vom steilen Aufstieg zum individuellen Lernpfad

  • hauboldconsulting
  • 4. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Lange Zeit bedeutete Karriere für mich einen klaren, linearen Weg nach oben. Mehr Titel, mehr Verantwortung, mehr Sprossen auf der Leiter – das war das Ziel. Führung verstand ich als die Anzahl der Personen, die an mich berichteten. Erfolg war gleichbedeutend mit Hierarchie und Status: Je höher ich im Organigramm stand, desto erfolgreicher fühlte ich mich.

Heute sehe ich meinen beruflichen Weg mit anderen Augen. Ich bin Spezialistin geworden – und meine Karriereleiter hat sich in einen Lernpfad verwandelt. Dieser Pfad ist nicht immer gerade, manchmal kurvig, manchmal steil, aber vor allem: Er ist mein eigener.

Karriere bedeutet für mich heute, kontinuierlich zu lernen, mich weiterzuentwickeln und Wirkung zu entfalten. Ich mache Fortschritte, wenn ich Räume schaffe, in denen Teams mutiger, klarer und besser zusammenarbeiten können. Wenn ich Menschen im Coaching begleite und sehe, wie sie über sich hinauswachsen, erfüllt mich das mit Sinn – nicht mit Status, sondern mit Bedeutung.

Das „besser“ von heute ist für mich nicht lauter, glänzender oder spektakulärer – sondern menschlicher.


Erfolg neu definieren

Beruflicher Erfolg heißt für mich inzwischen:

  • Wachstum, das Zufriedenheit und Wohlbefinden einschließt.

  • Leistung, die Energie gibt, statt sie zu rauben.

  • Zusammenarbeit, in der Menschen sich wertvoll fühlen, weil sie gehört, befähigt und gesehen werden.

Ich messe meinen Wert nicht mehr an der Zahl der Reports oder an der Größe meines Verantwortungsbereichs. Ich fühle mich wertvoll, wenn ich dazu beitrage, dass andere sich selbst als wertvoll erleben – und ihr Potenzial entfalten können.

Karriere entsteht dort, wo Wissen geteilt, nicht gehortet wird. Sie zeigt sich in Momenten echter Entwicklung, gemeinsamer Erfolge und in Begegnungen, die Mut, Klarheit und Selbstvertrauen stärken.


Von der Karriereleiter zum Lagerfeuer

Die Forschung zeigt, dass traditionelle Karrieremodelle zunehmend an Bedeutung verlieren. Das Konzept der „Boundaryless Career“ (Arthur & Rousseau, 1996) beschreibt Laufbahnen, die nicht mehr an Hierarchien oder Organisationen gebunden sind, sondern durch stetiges Lernen und Netzwerke geprägt werden. Ebenso betont die Idee des „Protean Career Mindset“ (Hall, 2004), dass Erfolg stärker von inneren Werten und Selbstbestimmung abhängt als von Position oder Statussymbolen.

Vielleicht ist Karriere also kein Turm, den es zu erklimmen gilt.Vielleicht ist sie vielmehr wie ein Lagerfeuer – ein Ort, an dem wir wachsen, weil wir andere wärmen, inspirieren und ihnen ermöglichen, ihren eigenen Weg zu gehen.


Weiterführende Impulse

  • Arthur, M. B., & Rousseau, D. M. (1996): The Boundaryless Career. Oxford University Press.

  • Hall, D. T. (2004): The protean career: A quarter-century journey. Journal of Vocational Behavior, 65(1).

  • Schein, E. H. (2015): Career Anchors: The Changing Nature of Careers. Wiley.

  • Kegan, R., & Lahey, L. (2016): An Everyone Culture – Becoming a Deliberately Developmental Organization. Harvard Business Review Press.


 
 
 

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